26. Februar 2017

Elle

© MFA

Regie: Paul Verhoeven
Land / Jahr: Frankreich, Deutschland, Belgien 2016












Michèle (Isabelle Huppert) wird eines hellichten Tages in ihrem Haus von einem maskierten Mann überfallen und vergewaltigt. Aus Scham, aber auch wegen eines noch schlimmeren Verbrechens in ihrer Kindheit, wendet sie sich nicht an die Polizei, sondern versucht dem Täter auf eigene Faust auf die Schliche zu kommen.

100 % allerderbste Satire
Eine Frau wird vergewaltigt und will ihren Peiniger selber fangen - das hört sich nach einem netten 08/15-Thriller an. Wenn man diesen Film allerdings unter anderem dem Komödien-Genre zuordnen kann und Exzentriker Paul Verhoeven auf dem Regiestuhl saß, dann wird schnell klar, dass man einen sehr schrägen Trip erwarten kann.
"Robocop", "Starship Troopers", "Basic Instinct" - Paul Verhoeven hat ein Gespür für ungewöhnliche Filmstoffe und liebt es, dabei noch mehr oder minder versteckte Anspielungen, Gesellschaftskritik und Satire in seine Werke einzubauen. Doch selbst diese Skandalfilme hatten nicht so einen derben Biss wie "Elle".
Jede Figur hat hier Dreck am Stecken, jede hat einen anderen Fetisch. Dabei inszeniert der Niederländer selbst die ungewöhnlichsten Vorlieben als Alltag. Mal gibt es Lob nach dem Liebesspiel, wenn eine Frau so getan hat, als wäre sie tot. Bei ihrem Job als Videospielentwicklerin legt Michèle viel Wert darauf, dass das Game möglichst brutal sein soll. Manche diese Anstößigkeiten gehören heutzutage zum Alltag, andere gelten als sehr speziell - aber Verhoeven stellt alles, ohne zu werten, auf eine Ebene. Nur, um am Ende den Vergewaltiger noch nicht einmal als negativste Figurn dastehen zu lassen.
Seine Schauspieler danken es ihm mit hervorragenden Leistungen, allen voran Hauptdarstellerin Isabelle Huppert. Seit den frühen 70er Jahren steht die Französin vor der Kamera, hat in weit mehr als 100 Filmen gespielt, darunter große Werke wie "Liebe" oder "Die Klavierspielerin" von Michael Haneke. Aber dennoch ist es nur Recht, ihr Spiel in "Elle" als die bisher großartigste Leistung ihrer ein halbes Jahrhundert langen Karriere zu bezeichnen.

Satire mit dem Vorschlaghammer
Das Drehbuch enthält viele tolle Figuren, Dialoge und einzelne Momente. Die große Rahmenhandlung ist leider aber etwas dürftig. Gleich mehrere Wendungen sind viel zu überspitzt, als dass sie noch glaubhaft und nachvollziehbar wären. Verhoeven überstrapaziert die Gunst des Zuschauers leider zu oft. Zudem lässt "Elle" stark nach, sobald Michèle weiß, wer unter der Maske des Vergewaltigers steckt - und das ist bereits nach zwei Dritteln des Filmes der Fall.
Wer auf einen spannenden Thriller hofft, der wird beim erfreulich unkonventionellen "Elle" von Paul Verhoeven enttäuscht werden, dafür gibt es aber Gesellschaftskritik und Satire mit dem Vorschlaghammer serviert. Wer einen Film über eine Vergewaltigung als Komödie inszeniert, der sollte genau wissen, was er tut - und Verhoeven hat das richtige Gespür dafür. Das Drehbuch hätte aber dennoch wesentlich mehr Liebe in Hinblick auf das große Ganze verdient. Gerade beim Skript verschenkt "Elle" leider sehr viel.

Fazit: 65 %

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