6. Februar 2017

Great Wall, The

© Universal

Regie: Zhang Yimou
Land / Jahr: China, USA 2016












Zur Zeit der Song-Dynastie reist William (Matt Damon) nach China. Er erhofft sich großen Reichtum, will er doch das Geheimnis des Schwarzpulvers aus dem Reich der Mitte entführen. Doch was er sieht, übersteigt seine Vorstellungen: Denn die chinesische Mauer hat eine gute Existenzberechtigung, müssen doch Angriffe von tödlichen Kreaturen abgewehrt werden.

Historisch nicht 100 Prozent akurat
"1700 Jahre Bauzeit, 8851 Kilometer lang, Wovor wollten sie sich schützen?", fragt das Poster zu Zhang Yimous Schlachtenfilm. Ich muss gestehen: Ich weiß es selber nicht, wer oder was tatsächlich der Grund für den Bau der Mauer war. Aber ich bin mir todsicher: Es waren keine grünen Monster, die ihre Augen auf Höhe des Halses tragen. Eine kurze Zeit lang mag der Zuschauer vielleicht noch glauben, hier einen Historienfilm zu sehen, diesen Glauben sollte man aber schnell die Mauer hinunter werfen. Das hier ist fast 100 Prozent Fantasy.
Regisseur Zhang Yimou ist eigentlich ein Filmemacher, der hervorragend recherchiert und versucht, möglichst authentisch zu arbeiten. Seine größten Meisterwerke "Rote Laterne" und "Leben" waren absolut realistisch und entführten in eine andere, aber dennoch reale Welt. Selbst der knallbunte und fantasievolle "Hero" hatte ein logisches Grundmuster. Mit "The Great Wall" verabschiedet sich Yimou von seinen Idealen und erschafft eine Mischung aus dem Fantasyklassiker "Der Herr der Ringe - Die zwei Türme" und dem Sci-Fi-Actioner "Starship Troopers".
Einerseits muss die Festung gehalten werden, wie in der finale Schlacht aus dem zweiten Ring-Herren-Film, die Hauptmission ist aber ähnlich wie in Paul Verhoevens "Starship Troopers". Anstatt eines Brainbugs gibt es hier eine Königin, also das Gehirn der Monsterangriffe. Um die Schlacht zu gewinnen, muss quasi dieser Endgegner umgelegt werden. Das mag vielleicht nicht besonders clever anmuten, ist aber zumindest straff und kurzweilig umgesetzt.

Zu wenig für Chinas beste Leute
Yimou erzählt seine Asia-Story anhand eines westlichen Heldens - sonst hätte der Filmemacher wahrscheinlich kaum ein dermaßen fettes Budget von 150 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt bekommen. Doch nicht nur Damons heimatloser Söldner, sondern auch die asiatischen Figuren kommen gut weg, bekommen jede Menge Screentime und sind sympathisch. Lediglich Willem Dafoes ängstlicher Ballard bleibt den ganzen Film über ziemlich blass - das was Defoe hier zeigt ist definitiv zu wenig für jemanden, der bereits für zwei Schauspiel-Oscars nominiert wurde.
Mit "The Great Wall" erzählt Zhang Yimou seine kleine Fantasy-Story zwar recht routiniert, aber das ist doch ein bisschen zu wenig für einen von Chinas begabtesten Filmkünstlern und auch zu wenig Drehbuch für ein riesiges Budget von 150 Millionen Dollar. Warum es dann so seelenlose Geschöpfe wie diese 08/15-Monster sein müssen, gegen die die Mauer verteidigt werden muss, bleibt ein großes Geheimnis der Produzenten.

Fazit: 55 %

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