20. Februar 2017

T2 Trainspotting

© Sony

Regie: Danny Boyle
Land / Jahr: Großbritannien 2017












21 Jahre sind vergangen, seitdem Mark Renton (Ewan McGregor) sich mit der Sporttasche und den 16.000 britischen Pfund aus dem Staub gemacht hat. Jetzt ist Mark aber wieder zurück in Edinburgh und bringt die Leben seiner ehemaligen Freunde durcheinander. Begbie (Robert Carlyle) und Simon (Jonny Lee Miller) sinnen auf Rache, Spud (Ewen Bremner) möchte lieber sich selbst tot sehen.

Keine Überdosis Sarkasmus mehr
21 Jahre sind vergangen und Danny Boyle kehrt zu dem Film zurück, der ihn zu einem weltbekannten und mit Preisen überhäuften Regisseur gemacht hat. Und nicht nur für ihn hatte "Trainspotting" eine katapultartige Wirkung: Vor allem für Hauptdarsteller Ewan McGregor war der Drogen-Trip der Sprung nach Hollywood.
Es ist fast schon so, als wären es die Helden von 1996 den Zuschauern und Fans schuldig, ihre Geschichte weiter zu erzählen. Denn auch in der narrativen Welt sind 21 Jahre vergangen und trotz der langen Zeit ist Begbie nicht weniger voll mit Adrenalin, wenn er an den Verräter Mark denkt. Und auch Simon, der sich die Haare immernoch 90s blond färbt, dafür aber nicht mehr Sick Boy genannt werden möchte, will Mark am Boden sehen.
Eines haben aber fast alle Figuren miteinander gemeinsam: Bis aus Spud gehören Drogen für sie zur Vergangenheit. Aus dem unglaublich innovativen Drogenfilm ist jetzt eine wesentlich seichtere britische Gauner-Komödie geworden, die nahezu frei von dem sarkastischen Ton ist, mit dem der erste Teil auf die Gesellschaft geschaut hat.

An Ideen gespart
Ebenso wesentlich schwächer sind die kreativen Impulse. Damals hatte der mega-aufwändige Film nur 3,5 Millionen Pfund gekostet. Um also die kranken Ideen der Romanvorlage von Irvine Welsh Leinwandrealität werden zu lassen, musste sich das Team um Boyle eine Menge einfallen lassen. Und alle Departments waren überaus kreativ. Jetzt wo das Budget um ein Vielfaches höher ist, ist es fast schon ironisch, dass dafür an Ideen gespart wurde.
"T2 Trainspotting" wird damit nicht zu einem schlechten Film, aber bis auf die interessanten Figuren, lässt er die Elemente missen, für die das Werk damals von Zuschauern wie von Kritikern gleichermaßen gefeiert wurde. Und gerade für einen Roman von Irvine Welsh - diesmal beruhend auf dem Buch "Porno" - ist der Nachfolger bis auf wenige Aufreger schon erstaunlich massenverträglich geworden. Es gibt keine grün angelaufenen Babyleichen mehr, keine Fülle von ultra-nahen Detailaufnahmen von Drogeninjektionen.
"T2 Trainspotting" ist weitaus weniger skandalös als sein Vorgänger, nahezu gänzlich unkritisch und steuert auf ein durchschnittliches Happy-End zu. Wenigstens die Figuren, die erfreulicherweise von denselben Darstellern gespielt werden, wie noch im Original, können logisch da weitermachen, wo sie vor 21 Jahren aufgehört haben, ohne das die zeitliche Lücke Probleme macht. Ein netter Film, aber sowohl eines "Trainspotting" als auch eines Danny Boyle eigentlich eher unwürdig. "T2 Trainspotting" ist leider nur eine Unterdosis Kult.

Fazit: 60 %

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