12. Februar 2017

Theater des Grauens

© MGM

Regie: Douglas Hickox
Land / Jahr: Großbritannien 1973












Die Angst geht um in der Theaterkritiker-Szene Londons: Ein Schreiberling nach dem anderen fällt einem gnadenlosen Killer zum Opfer. Hauptverdächtiger ist der Shakespeare-besessene Edward Lionheart (Vincent Price), dessen kitschige Aufführungen stets besonders schlecht in der Fachpresse besprochen wurden.

Der gerechte Lohn
Die Handlung dieser kleinen britischen Krimi-Komödie ist wahrscheinlich der feuchte Traum zahlreicher Künstler, die sich von ihren Kritikern unfair behandelt fühlen. Zumal macht es Douglas Hickox dem Zuschauer noch so leicht, sich über das Ableben der Schmierfinken zu freuen, schließlich werden die Kritiker von ihm als wenig sympathische und fadenscheinige Figuren gezeichnet. Fast so als möchte Hickox sagen: "Sie verdienen es nicht anders."
Allerdings sind die Kritiker nicht nur dubiose Gestalten, sondern unrealistischerweise auch wenig clever, um nicht zu sagen: dumm - und das ist die größte Schwäche von "Theater des Grauens". Es ist schon erschreckend, mit welch einer unbeschreiblichen Naivität hier keine noch so offensichtliche Falle ausgelassen wird. Und dass, obwohl sie eigentlich alle wissen, wer, warum und sogar in welcher Reihenfolge Jagd auf sie macht.
Dass der Film unter anderem sogar dem Horrorgenre zuzurechnen ist, obwohl es nicht eine einzige Szene gibt, die auch nur einen Mini-Hauch gruselig ist, ist den Momenten zuzuschreiben, wenn der Shakespeare-Freak mit einem seiner Kritiker abrechnet. Kopf ab oder Augen raus: Die Tötungsszenen sind definitiv dem Splatter-Subgenre zuzuordnen. Heutzutage sieht das vielleicht nicht mehr ganz so schockierend aus, aber 1973 war das noch ganz böse Filmkost. Schließlich wurden hier während der Dreharbeiten gut 27 Liter Kunstblut vergossen.

Platz 1 von 200
Herzstück von "Theater des Grauens" ist aber sein Hauptdarsteller. Genre-Darsteller Vincent Price bezeichnete diesen Film stets als seine Lieblingsarbeit. Und das heißt schon eine Menge, schließlich verzeichnet er in seiner Filmographie als Film- und Fernseh-Schauspieler nicht weniger als stolze 200 Einträge.
Blutig und witzig zugleich ist "Theater des Grauens" eine der ganz frühen Genre-Mixturen, die sich trauten, blutigen Horror mit lustigen Szenen zu mischen. Die Schlacht des exzentrischen Theater-Freaks gegen seine zahlreichen Kritker macht Spaß und ist wirklich unterhaltsam - leider aber wenig intelligent und driftet oft in britischen Klamauk ab. Mit den farbenfrohen Figuren kann das unterdurchschnittliche Drehbuch nicht mithalten. Die Wendungen sind oftmals kindisch und vielleicht war der Twist Anfang der 70er noch überraschend, heutzutage durchschaut man schnell, worauf die ganze Schlachterei hinausläuft. Ein Film fürs Herz, nicht fürs Hirn, mit einer winzige Prise Kult.

Fazit: 55 %

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