1. März 2017

John Wick: Kapitel 2

© Concorde

Regie: Chad Stahelski
Land / Jahr: USA 2017












Gerade hat John Wick (Keanu Reeves) seine gnadenlose Rachetour beendet und will sich zur Ruhe setzen, dann klopft der nächste Verbrecher schon an seine Bonzen-Tür: Santini (Riccardo Scamarcio) will, dass der Meisterkiller seine Mafia-Schwester Gianna (Claudia Gerini) in Rom umlegt. Ein Job, den Wick gegen seinen Willen, aufgrund einer alten Schuld annehmen muss.

Kein Mann vieler Worte
Bis auf einen Autostunt soll Keanu Reeves alle Stunts in diesem Film selbst performt haben. Aber hätte Reeves diese Arbeit einem Stuntman überlassen, dann hätte der Hollywoodstar wohl kaum mehr als 20 Minuten Screentime gehabt, schließlich schaltet "John Wick: Kapitel 2" im Vergleich mit dem Erstling vom vierten in den sechsten Gang. Das Ergebnis ist ein ziemlich gnadenloses Action-Spektakel mit einem ganzen Haufen voller Leichen.
Hatte das Original noch einige Thriller-Elemente parat, so beschränkt sich das Sequel auf das Action-Genre. Anfangs gibt es noch eine zünftige Verfolgungsjagd mit schicken Karren, danach beschränkt sich der Film auf derbe Ballereien und mittelprächtige Schlägereien. Zwar hat Reeves unter anderem mit "Matrix" und "Man of Tai Chi" schon eine Menge Martial-Arts-Erfahrung sammeln dürfen, so richtig stylish wie der gegenwärtige Standard sieht das aber nicht aus.
Dafür hat der ganze Rest aber seine optischen Reize. "John Wick: Kapitel 2" ist sehr spektakulär inszeniert. Reeves trägt auch in den stressigsten Momenten stets glatt gebügelte, schicke Anzüge, es gibt kaum eine Figur, die nicht irgendwo ein paar bunte Farben unter der Haut trägt, die Kamera fängt stets sehr ästhetische Bilder ein.

Ein seltenes Stigmata
Ebenfalls hoch stilisiert sind die Actionsequenzen, die mindestens 80 Prozent des Filmes ausmachen. Und die sind noch wesentlich gewalttätiger als im Vorgänger. Sie liegen sogar über der momentanen Norm für massentaugliche Brutalität und so ist Wicks zweiter Einsatz mit dem mittlerweile im Kino sehr seltenen Siegel "Keine Jugendfreigabe" gekennzeichnet - und das absolut zu Recht.
Doch so toll die Schießereien, Hinrichtungen und Exekutionen auch aussehen mögen, so sehr ziehen sie sich doch manchmal in die Länge. Zu sehr ergötzt sich Regisseur Chad Stahelski an Kopfschüssen aus nächster Nähe. Zu viel Freude hat er daran, Wick bei seiner Mordtour gut aussehen zu lassen. Ab einem gewissen Zeitpunkt fängt die Action zu nerven an.
"John Wick: Kapitel 2" ist noch schneller, noch gnadenloser, noch optisch ästhetischer und noch actiongeladener als der erste Film. Aber Quantität geht nicht über Qualität und unter dem Strich hätte der zweite Wick an Unterhaltungswert gewonnen, wenn die Leichenberge nicht ganz so hoch sein würden. Für Reeves, der auf dem besten Wege war, in eine Nicolas-Cage-artige, filmische Bedeutungslosigkeit zu fallen, ist diese erfolgreiche Serie natürlich ein Segen.

Fazit: 60 %

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