5. März 2017

Silence

© Concorde

Regie: Martin Scorsese
Land / Jahr: USA,Taiwan, Mexiko 2016












Portugal im 17. Jahrhundert: Die beiden Jesuiten-Priester Rodrigues (Andrew Garfield) und Garupe (Adam Driver) reisen auf eigenen Wunsch nach Japan, um Pater Ferreira (Liam Neeson) zu suchen, der von Gott abgekommen sei. In dem fernöstlichen Land müssen sie sich vor allem vor dem Christen jagenden Inquisitor Inoue (Issei Ogata) in Acht nehmen.

Ein Experiment wider den eigenen Stil
Als Martin Scorseses neuer Film kurz vor Weihnachten in den Vereinigten Staaten in die Kino kommen sollte, war klar, dass "Silence" im Rennen um die Oscars ein Wörtchen mitsprechen würde. Die einzige Frage lautete nur: Für wie viele der begehrtesten Filmpreise wird Martin Scorseses neuster Streich nominiert? Dann die Ernüchterung: Lediglich eine Nominierung für die Kameraarbeit sprang heraus. Und auch an den US-Kinokassen machte das stark besetzte Historien-Epos seinem Namen alle Ehre: Kaum ein Zuschauer wollte sich das eigenwillige Werk ansehen.
Doch kann ein Scorsese-Film überhaupt irgendwo unterhalb von "sehr gut" angesiedelt werden? Ja, das geht. Das passiert nämlich dann, wenn einer der begabtesten Geschichtenerzähler der USA seinen eigenen Stil vernachlässigt. Selbstverständlich kann er ein christliches Epos nicht so inszenieren wie eines seiner Schurkenstücke. Aber bei diesem Experiment Scorseses - so kann man "Silence" durchaus bezeichnen - legt er es darauf an, das breite Publikum zu verärgern.

Weder Thriller noch Abenteuerfilm
Dabei ist es nicht die Geschichte, die in Ungnade fällt. Die Reise zweier Mönche in ein unbekanntes Land, um ihren Mentor zu finden, könnte durchaus Spaß machen. Wenn der feine Herr Regisseur auch nur das geringste Interesse an Spaß zeigen würde. Aber es mutet an, als wollte er nackte Unterhaltung aufgrund des Sujets um jeden Preis umgehen. Als wollte Scorsese sagen: Ein Film über Religion darf nicht unterhaltsam, darf nicht spannend, sondern muss besinnlich sein.
Und so verzichtet der Filmemacher bei seinem 161 Minuten langen Historien-Drama darauf, den Zuschauer zu unterhalten. Obwohl der Film durch die Ländereien des feudalen Japans führt, ist er kein Abenteuerfilm, weil es kein Abenteuer gibt. Obwohl es mehrere Konfliktsituationen und Gewaltmomente gibt, geht "Silence" nicht als Thriller durch, denn Scorsese verzichtet darauf, diese Momenten mit den narrativen Mitteln von Suspense aufzuhübschen. Und auch auf den Einsatz von musikalischer Untermalung wird nahezu gänzlich verzichtet.
"Silence" ist so unterhaltsam wie eine Doppelstunde Religionsunterricht in der Oberstufe. Zwar ist die Geschichte durchaus interessant und Kamera, Kostüme, Ausstattung und auch die Darsteller liefern tolle Leistungen ab, aber unter dem Strich ist "Silence" zu träge, zu zäh, zu eigenwillig und langatmig. Wer sich nicht von der ersten Sekunde an voll und ganz auf den Film einlässt, der darf sich auf mehr als zweieinhalb stündige Folter gefasst machen. Letztendlich ist es aber keine Ketzerei, dass Scorseses Film diesmal nicht die Oscarjury bezauberte. Zudem schienen es die Produzenten schon geahnt zu haben, spiegelt der Trailer überhaupt nicht Tempo und Atmosphäre des finalen Filmes wider.

Fazit: 65 %

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