14. März 2017

Sleepless: Eine tödliche Nacht

© TOBIS

Regie: Baran Bo Odar
Land / Jahr: USA 2017












Undercover will Polizist Vincent (Jamie Foxx) den großen Clou landen. Als bei einem Drogendeal plötzlich alles schief läuft und sein Sohn gekidnappt wird, bleibt ihm nur eine einzige Nacht, um die Dinge wieder gerade zu rücken. Und dabei sind ihm nicht nur die Verbrecher, sondern auch die eigenen Leute auf den Fersen.

Der deutsche Schweizer
Der sehr ordentliche Pädophilen-Thriller "Das letzte Schweigen" brachte Regisseur Baran Bo Odar auf die Landkarte der deutschen Filmemacher. Der regietechnisch total undeutsche Cyber-Thriller "Who Am I" katapultierte ihn in die A-Liga der deutschsprachigen Regisseure. Kein Wunder, dass der Hacker-Trip kaum diese deutsche Schwere hatte, schließlich ist Odar Schweizer.
"Who Am I" hat alles: eine intelligente Story, viele sympathische Figuren, ein hohes Tempo und diese perfekt passende Optik. Der richtige Mann also für einen Job in den Staaten. Hollywood was calling. Vorher hatte Odar die Drehbücher selbst geschrieben; oder zumindest adaptiert, oder mitgeschrieben. Mit "Sleepless: Eine tödliche Nacht" bekommt er das Drehbuch vorgelegt. Eine seelenlose Auftragsarbeit kündigt sich an.
Und genau das ist der Cop-Actioner mit Superstar Jamie Foxx in der Hauptrolle auch. Odar versucht dem Ding seinen Stempel aufzudrücken, geht in der Hollywood-Routine aber unter. Zwar ist "Sleepless" ziemlich kurz(-weilig), dafür aber auch wenig beeindruckend. Keine einzige Szene wirkt originell, kein einziger Moment bleibt nach dem Abspann im Kopf.

Nach den tödlichen Regeln des Film-Gesetzes
Die Story ist unambitioniert, würde hierzulande vielleicht gerade so für einen Tatort reichen. In den Staaten reicht das für eine 30-Millionen-Dollar-Produktion. Einen Teil des Geldes bekommt Oscar-Preisträger Foxx, der Rest geht für die Action drauf. Letztere macht mindestens 75 Prozent des Filmes aus. Und bedauerlicheweise sind die Prügeleien und Schießereien vollkommen unbedeutend. Nix besonderes. Sowas läuft in Deutschland im Abendprogramm.
Wenigstens das Spiel der Darsteller ist ganz nett. Die Optik aber auch. Eine düstere Nacht mit Jamie Foxx, der die bösen Jungs hinter Gittern bringen will. Obwohl am Ende eines US-Actionfilms sowieso niemand festgenommen, sondern alle Antagonisten umgebracht werden. So will es das (Film-)Gesetz.
"Sleepless" ist Baran Bo Odars erster und mutmaßlich auch letzter Hollywood-Film. Dafür spricht nicht nur das sensationell durchschnittliche und generische Ergebnis, sondern auch das verhaltene Einspielergebnis. Aber was soll Odar auch machen: Bei diesem Drehbuch wäre selbst ein Christopher Nolan oder Martin Scorsese chancenlos. Aber die würden sich zu so einem billigen Auftragsjob erst gar nicht hinreißen lassen.

Fazit: 50 %

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen