24. April 2017

Erschütternde Wahrheit

© Sony

Regie: Peter Landesmann
Land / Jahr: USA 2015












Dr. Bennet Omalu (Will Smith) ist als Pathologe in Pittsburgh angestellt. Als er eines Tages eine Football-Legende auf seinen Arbeitstisch bekommt, macht der Spezialist eine erschreckende Entdeckung: das Gehirn des toten Profi-Sportlers weist Symptome eines alten Menschen auf, der an Alzheimer erkrankt ist. Doch anstatt den Doktor zu feiern, wird er als Mörder des Sports angefeindet.

Churchill hat es schon immer gewusst
„Sport ist Mord“, meinte schon Großbritanniens ehemaliger Premierminister Winston Churchill. Für gewöhnlich ist das aber nicht die Message von Sportfilmen. Eigentlich geht es immer darum den Sport und die Sportler zu feiern, eigentlich finden nur die größten und heroischsten Sportmomente ihren Weg auf die Kino-Leinwände.
„Erschütternde Wahrheit“ ist da eine der ganz seltenen Ausnahmen. Der englische Originaltitel „Concussion“ heißt übersetzt: „Erschütterung“ oder auch „Gehirnerschütterung“. Beides trifft den Kern des Filmes natürlich viel besser als der generische und pseudo-clevere deutsche Verleihtitel. Denn hier geht es um CTE, eine schwere Hirnerkrankung, die der Pathologe Dr. Bennet Omalu bei Profi-Footballspielern nachweisen konnte. Diese schweren Erschütterungen auf das Hirn durch die zahlreichen Tacklings im Football bringen – trotz der harten Helme und soliden Körperpolsterung – schwere gesundheitliche Schäden mit sich.

Probleme mit der US-Mentalität
Für Hollywood musste dieses sehr trockene Thema noch ein bisschen aufgehübscht werden. Regisseur Peter Landesmann fügte dem Drama eine gehörige Portion Thriller hinzu mit bedrohlichen Anrufen und einer düsteren Verfolgungsjagd. Zusammen mit der richtigen Musik entsteht eine nicht zu leugnende Spannungskurve, die nicht unbedingt so angebracht scheint.
Und natürlich hübscht Hollywood seine Filme am liebsten mit einem geldversprechenden Zugpferd auf, in diesem Fall ist es Will Smith, der die Rolle des aus Nigeria stammenden Arztes spielt. Diese Entscheidung erweist sich als Glücksgriff: Smith liefert eine sehr gute Leistung ab – eine der besten seiner bisherigen Karriere. Sein Dr. Omalu forscht nicht nur an seinem Fall, sondern besteht auch auf seinen Doktor-Titel und kann oftmals die amerikanische Mentalität nicht verstehen. Smith begleitete für seine Rolle sogar den echten Dr. Omalu bei zwei Autopsien.
Hinter dem ultimativ beliebigen Titel „Erschütternde Wahrheit“ versteckt sich ein Sport-Film der ganz anderen Art. Die Geschichte um ernste gesundheitliche Schäden ist manchmal unnötig auf Spannung getrimmt, lebt aber von ihren guten Darstellern – allen voran Will Smith – und dem tollen Drehbuch, dass das Thema zum Glück nicht zu sehr trivialisiert.

Fazit: 70 %

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