7. April 2017

Ghost in the Shell

© Paramount

Regie: Rupert Sanders
Land / Jahr: USA 2017












Hirn: Mensch, Rest: Maschine - In einer dystopischen Zukunft ist Cyber-Agentin Major (Scarlett Johansson) auf der Jagd nach besonders bösen Jungs, um den Konzern Hanka Robotics zu schützen. Doch ihre größte Mission ist, herauszufinden, wer sie eigentlich selber ist. Und das bringt Major erst so richtig in Gefahr.

Die Nacktheit einer Maschine
Die Anime-Adaption von Regisseur Mamoru Oshii aus dem Jahre 1995 war lange Zeit die einzige Möglichkeit, den Cyber-Trip von Manga-Künstler Shirow Masamune adäquat auf die Leinwand zu bringen. Nicht unbedingt die spektakulären Außenszenen in einem hoch technologisierten Tokio der Zukunft, sondern eher die aufwändigen Cyborgs und sonstige Metall-Lebewesen wären viele Jahre einfach zu großer Rechenaufwand für die CGI-Computer gewesen.
Nicht nur der Fortschritt, sondern vor allem das pralle 110-Millionen-Dollar-Budget machen es im Jahre 2017 möglich, dass die Fantasien des japanischen Zeichners optisch ansprechend für diese Real-Verfilmung umgesetzt werden können. Zugpferd ist Hollywood-Schönheit Scarlett Johansson, die theoretisch gesehen splitternackt - insofern eine Maschine überhaupt nackt sein kann - über die Leinwand turnt.
Und wie fein und faszinierend das aussieht, was so geboten wird - Robo-Geishas und elektrische Ersatz-Augen inklusive. Der Neon-Blick auf die bevölkerungsreichste Stadt der Erde ist wunderbar futuristisch geraten und es macht Spaß, Majors Abenteuer miterleben zu dürfen. Für solche Filme wurde der Begriff Eye-Candy erfunden. Alles ist stilistisch stimmig.

Eine Delikatesse für das Hirn
Aber "Ghost in the Shell" - also sowohl Manga als auch Anime - wurden nicht primär wegen ihrer optischen Grandeur, sondern wegen der verzwick-vertrackten Story von Fans und Kritikern gleichermaßen gefeiert. Der Anime ist kein Film, den man sich einfach so mal nebenbei reinzieht und sofort versteht. Die Hä?-Momente bewegen sich auf dem intellektuellen Niveau eines "Donnie Darko". Eine Delikatesse für das Hirn eben.
Das bietet das US-Remake definitiv nicht. Glücklicherweise ist es nicht so stark primitivisiert worden, wie zu befürchten war für eine fette Hollywood-Produktion. Aber wer hier permanent mit seinen Gedanken dabei ist, sollte das Ganze problemlos in seinem Köpfchen zusammenbauen können. Major jagt Verbrecher und geht nebenbei ihrer eigenen Identität auf den Grund - mehr ist nicht.
Das Remake von "Ghost in the Shell" hätte vielleicht der erste Stein sein können, der eine Lawine an US-Adaptionen berühmter Animes ins Rollen hätte bringen können - so wie es einst mit den Comic- und Superhelden-Adaptionen begann. Doch Rupert Sanders Film ist inhaltlich nur "ok" und hat auch nicht genügend Zuschauer in die Kinos gelockt, als dass das Business mit den Animes verlockend genug für Hollywoods Studio-Bosse wäre. Für nette Unterhaltung mit einigen optischen Reizen reicht die US-Version aber allemal.

Fazit: 60 %

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