2. April 2017

Moonlight

© DCM

Regie: Barry Jenkins
Land / Jahr: USA 2016












Chiron (Alex R. Hibbert, Ashton Sanders und Trevante Rhodes), den alle nur Little nennen, lebt bei seiner drogensüchtigen Mutter und wird in der Schule gemobbt. Dann lernt er Juan (Mahershala Ali) kennen, der zu seinem Tutor wird. Seine Homosexualität versucht Chiron aber sein ganzes Leben über zu verbergen.

Ein falscher Umschlag
Das war mal eine riesige Überraschung: Warren Beatty und Faye Dunaway öffneten den Oscar-Umschlag für den besten Film des Jahres und lasen "La La Land" vor. Ein logischer Gewinner: Aufwändig produziert feiert das Musical seine Erschaffer und wurde noch während seiner Kinoauswertung in den Olymp der Filmklassiker erhoben.
Doch dann die Wende: Die alternden Stars wurden mit dem falschen Umschlag ausgestattet! Der eigentliche Sieger des Abends hieß "Moonlight" - und war das komplette Gegenteil vom pompösen Film-Musical. Lediglich 1,5 Millionen Dollar hat Jenkins für sein zurückhaltendes Drama verbraten. Für solche Almosen würden viele Filmemacher in Hollywood noch nicht einmal die Kamera einschalten.
"Moonlight" steht für das neue Hollywood, indem kleine schwarze Filme problemlos mit großen weißen Produktionen mithalten können. Allerdings scheint Jenkins' ruhiges Homosexuellen-Drama lediglich als Exempel hinhalten zu müssen. Denn der beste Film des Jahres 2016 ist "Moonlight" mit Sicherheit nicht, von den für den neun Oscar nominierten vielleicht sogar der schwächste.

Das neue schwarze Hollywood
"Moonlight" ist aber ein durchaus interessanter Film, vor allem er sich traut, andere Dinge anders zu sagen. Drogendealer Juan beispielsweise ist dominant und direkt, muss seine Überzeugung allerdings nicht mit Gewalt durchsetzen. Vor allem Hauptfigur Chiron ist das Gegenteil des strahlenden Hollywood-Helden und dabei nicht nicht einmal ein Gefallener. Wortkarg versucht er, nur nicht aufzufallen. Er schämt sich für seine Homosexualität.
In einem Aspekt ist dieses über drei Jahrzehnte erzählte Drama dann aber doch sehr schmuck geraten: Kameramann James Laxton liefert äußerst dynamische Bilder, dreht sich mehrmals um die kompletten 360 Grad um seine Figuren, steigt mit Juan und Chiron in die Wogen des Meeres. Oft schon haben die Zuschauer Miami auf Film gesehen, aber viele der Bilder, die Laxton liefert, sind frisch.
Problemlos könnte man sich "Moonlight" als kleines Büchlein in einem gelben Einband aus dem Hause Reclam vorstellen. Die stille Geschichte wird geschmackvoll und anspruchsvoll erzählt, Barry Jenkins hat eine deutlich erkennbare Handschrift. Dieses Schwulen-Drama ist anders als die üblichen Schwarzen-Filme aus den Vereinigten Staaten und das macht es so sehenswert. Aber mitnichten hat "Moonlight" den Oscar für den besten Film verdient.

Fazit: 80 %

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