16. Juni 2017

Mumie, Die

© Universal

Regie: Alex Kurtzman
Land / Jahr: USA 2017












Durch Zufall gemixt mit Dummheit und Arroganz erweckt Soldat Nick Morton (Tom Cruise) die ägyptische Hexe Ahmanet (Sofia Boutella) zu neuem Leben. Und bei der werten Dame, die vor Jahrtausenden lebendig mumifiziert wurde, hat sich eine Menge Wut angesammelt, die sie an der modernen Welt auslassen will.

Das größte Rätsel Hollywoods
Wieso investiert Universal 125 Millionen Dollar in den x-ten Mumien-Film? Ganz einfach: Weil Hollywood-Superstar Tom Cruise die Hauptrolle spielt. Wirtschaftlich eine ganz einfache und logische Begründung. Doch die viel interessantere Frage lautet: Wieso spielt Tom Cruise in "Die Mumie" die Hauptrolle?
Man kann von der Scientology-Marionette halten, was man will. Aber auf der Leinwand hat Cruise schon mehrmals in Klassikern wie "Magnolia", "Jerry Maguire" oder "Rain Man" bewiesen, dass er mehr ist als der übliche Blockbuster-Darsteller. Schon dreimal war er für einen Darsteller-Oscar nominiert - jeweils zu Recht. Außerdem hat Cruise enorme Einflüsse bei großen Hollywood-Studios, kann sich seine Rollen und Drehbücher aussuchen. Was treibt ihn also dazu, ein solch dünnes Projekt wie "Die Mumie" zu machen? Er bleibt einfach ein riesiges Rätsel.
Die Rolle, die Cruise in "Die Mumie" spielt, hat er in den vergangenen Jahren schon unzählige Male gespielt. Den abenteuerlustigen, smarten und abgezockten US-Amerikaner mimt er auch in den "Mission: Impossible"-Filmen, "Knight and Day" und in "Krieg der Welten". Er spielt parktisch gar nicht mehr: Es scheint seine zweite Identität zu sein.
In "Die Mumie" ist seine Figur Nick besonders abenteuerlustig und zerschießt direkt am Start in dem zufällig entdeckt Grab ein Seil, um mit coolem Blick zu gucken, was passiert. Es könnte alles Mögliche passieren, da er selbst nicht weiß, was mit dieser Aktion ausgelöst wird. Das ist ganz einfach nur dumm und arrogant. Und Nick trifft mehrere solche dämliche Entscheidungen.

FSK boykottiert den Jugendschutz
Das große Problem sind aber noch nicht einmal die Figuren. Das größte Problem ist das Drehbuch, das der ganzen Geschichte einen tollen Dreh verleihen will, anstatt dessen aber von Minute zu Minute immer mehr ins Absurde abdriftet. Beginnt "Die Mumie" noch recht unterhaltsam, verliert er immer mehr an Reiz und wird gegen Ende sogar langweilig. Ist ein Film schlecht, dann ist das ein Problem, aber es gibt einfach nichts Schlimmeres als langweilig zu sein.
Und auch die FSK versagt - mal wieder - auf ganzer Linie. In "Die Mumie" wird getötet, dämonische Kreaturen trachten in düsteren Settings den Protagonisten nach dem Leben, es gibt mehrere Horrorfilm-Elemente - all das ist freigegeben ab zwölf Jahren, in Begleitung eines Erwachsenen dürfen sogar schon Sechsjährige mit auf diesen Horrortrip. Völlig unpassend und unzumutbar für kleine Kinder. Der Jugendschutz wird von seiner eigenen Institution boykottiert.
"Die Mumie" ist ein gänzlich überflüssiger Film, ganz einfach weil es gleich mehrere bessere Versionen der Geschichte gibt. Schauspielerisch drüftig ist vor allem Russell erschreckend schlecht und vollkommen verschenkt in seiner kleinen Nebenrolle. Eigentlich fängt diese Mischung aus Abenteuer, Action und Horror ganz ordentlich und unterhaltsam an, aber sobald Cruises Figur mit dem Flugzeug auf den Boden der Tatsachen schmettert, zerschellt auch der Film an seinem miesen Drehbuch. Die Gags zünden nicht, die Mumie, die keine Mumie, sondern eine heiße Hexe ist, ist lahm und selbst die hübsche Archäologin, gespielt von Annabelle Wallis, geht komplett unter. Lieber noch einmal die 1999er-Version mit Brendan Fraser oder den Klassiker von 1932 gucken.

Fazit: 35 %

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