30. Juli 2017

Baby Driver

© Sony

Regie: Edgar Wright
Land / Jahr: USA, Großbritannien 2017












Super-Fluchtwagenfahrer Baby (Ansel Elgort) steht kurz davor, seine Rechnung mit Schwerverbrecher Doc (Kevin Spacey) zu begleichen. Dann kann der musik- und frischverliebte junge Mann endlich wieder einem ehrlichen Beruf nachgehen. Doch Doc glaubt, dass sein begabter Schützling sein Glücksbringer ist.

Der Junge hat Kopfschmerzen
Edgar Wright ist ist ein Regisseur, der mit seinen Filmen - selbst wenn es Horrorfilme oder Thriller sind - für gute Laune sorgt. Und "Baby Driver" ist mit seiner nahezu durchweg positiven Stimmung und vielen flotten Songs als besonders heiteres Filmchen angelegt. Und verdammt stylish ist der Fluchtwagenfahrer-Film auch noch.
Warum Ansel Elgort für die Hauptrolle gecastet wurde, ist kein großes Geheimnis: Er hat die Definition eines Babyfaces. Und eigentlich ist seine Figur Baby auch ein Softie. Allerdings muss er böse Dinge für böse Menschen tun und das bereitet ihm Kopfschmerzen. Allerdings hält es ihn nicht davon ab, üble Rache an den fiesen Fieslingen zu üben. Das macht ihn eigentlich auch nicht besser als die Leute, die er so gar nicht leiden kann. Dennoch: Ansel Elgort spielt die fröhlichen Momente des Filmes wirklich mit einer exquisiten Überzeugung.
Ebenso gut gecastet sind auch die meisten anderen Darsteller. Besonders Jamie Foxx in der Rolle des gewollt-coolen Pseudo-Gangsters Bats macht Spaß, weil seine Gags nur deswegen billig sind, weil Wright sie absichtlich billig geschrieben hat. Es mag nicht die feine russische Art eines Dostojewski sein, der alle seine Figuren mit vorurteilsfreien Objektivität beschrieb, aber Wright hat Gefallen daran gefunden, sich über seine Figuren lustig zu machen.

Die Verwandtschaftsverhältnisse von "nett"
Doch obwohl der Film einen Songs nach dem anderen rauskloppt, ist es Wright nicht immer gelungen, einen echten Stimmungsmacher aus den Archiven der vergangenen Musik-Jahrzehnte auszugraben. Manche Lieder sind nur nett. Und spätestens seit dem Animationsfilm "Werner" wissen wir um die Verwandtschaftsverhältnisse von "nett". Das kann nicht der Anspruch eines Edgar Wrights sein.
Die Figuren funktionieren, die Dialoge sind gut, die Musikeinlagen decken die Spannbreite von fantastisch bis ganz o.k. ab. Aber das Drehbuch hat auch eine richtig finstere Seite: Die Handlung ist einfach nur Schrott. Um alles schon einmal gesehen zu haben, muss man kein Filmkenner sein. Wright hat seine komplette Kreativität in alle anderen Aspekte des Filmes gepackt und die Seele eines jeden Filmes komplett vernachlässigt: Die Geschichte ist uninspiriert und klischeehaft, sie erquickt sich an Details und lässt das große Ganze gänzlich aus den Augen.
"Baby Driver" ist weit weg von dem fantastischen Filmerlebnis, das viele erwartet haben. Spätestens beim zweiten Sehen, sollte jeder merken, dass da wesentlich weniger Hirn und Herz hintersteckt als der Zuschauer dem Werk zuschreiben möchte. Sympathisch ist "Baby Driver", aber bei einem Blick auf die restliche Filmographie von Wright kann man ohne lange drüber nachzudenken sagen, dass er seinen bisher schwächsten Kinospielfilm abgeliefert hat. Denn bei den anderen Werken, konnte man nicht die komplette Handlung voraussehen.

Fazit: 65 %

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