19. Juli 2017

Jerry Maguire: Spiel des Lebens

© Sony

Regie: Cameron Crowe
Land / Jahr: USA 1996












Sportagent Jerry Maguire (Tom Cruise) möchte seinen Klientenkreis verkleinern, um sich so besser um einzelne Spieler kümmern zu können. Doch dieser spontane moralische Anflug kommt bei seinen Vorgesetzten nicht an und Maguire wird gefeuert. Jetzt muss er sich mit einzelnen Sportlern über Wasser halten. Stets auf der Suche nach dem einen Mega-Clou.

Darstellerische Höchstleistungen
Wenn er will, dann kann er: Tom Cruise spielt in "Jerry Maguire: Spiel des Lebens" eine seiner sympathischsten Rollen. Er erkennt seine Fehler ein und versucht sie mit Vernunft und Menschlichkeit aus der Welt zu schaffen. Seine Figur ist kinderlieb und zuvorkommend, aber auch ehrgeizig und konsequent. Regisseur und Autor Cameron Crowe holt wirklich alles aus dem Vorzeige-Scientologen heraus.
Mindestens genauso gut spielt Cuba Gooding Jr. den Profi-Footballer Rod Tidwell, der niemals über den Sport, dafür aber permanent über das dicke Geld, den "Schotter" spricht. Tidwell ist der Archetyp des modernen Sportlers, der nicht nur wenig intelligent, dafür aber umso geldgieriger ist. Und das ohne, dass Crowe seine Figur zu sehr überzeichnet oder als Bösewicht stilisiert. Ein Volltreffer.
Bei Maguire ist ihm das Glück nicht ganz so hold, was man Crowes Drehbuch anlasten kann. Als Mensch funktioniert Maguire perfekt. Der Beruf des Spielerberaters hätte aber noch eine gute Prise mehr Kritik vertragen können - und dafür hätte Crowe die eine oder andere romantische Szene ruhig aus dem Skript löschen können.

Der (zu) freundliche Spielerberater
Insgesamt liefert das Drehbuch zwar eine ungewöhnliche Geschichte mit interessanten Figuren. Aber die Gewichtung der einzelnen Handlungsstränge hätte etwas glücklicher geraten können. Immerhin spielt Renée Zellweger die Rolle der alleinerziehenden Mutter Dorothy so sympathisch und zuckersüß, dass die zahlreichen Romantik-Szenen nicht so negativ ins Gewicht fallen. Da hat der Crowe noch einmal richtig Glück gehabt.
Und für sein Thema ist "Jerry Maguire" auch ein wenig zu freundlich, zu heiter und vor allem: zu undramatisch. Klar, eigentlich steht "Jerry Maguire" Mitte der 90er Jahre genau für den leichtfüßigen Stil von Cameron Crowe, den der Autorenfilmer mit der Jahrtausendwende verloren hat - "Almost Famous" (2000) war sein letzter toller Film, "Teen Lover" sein erster (1989).
Cameron Crowe liefert einen interessanten Sportfilm abseits des Mainstreams ab. Einen Film, der durchweg seine Handschrift trägt, stellenweise wünscht man sich aber etwas weniger Harmonie. Dafür entlohnt die im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnete Cast: Cuba Gooding Jr. bekam den Oscar für die beste Nebenrolle, auch Tom Cruise wurde für einen Goldjungen nominiert. "Jerry Maguire" macht richtig Spaß, vor allem weil er so anders und persönlich ist. Ein Sportfilm, an dem sogar die Damenwelt ihre Freude haben könnte. Aber ein bisschen kritischer könnte der Film dennoch sein müssen.

Fazit: 75 %

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