10. Juli 2017

Pubertier, Das

© Constantin

Regie: Leander Haußmann
Land / Jahr: Deutschland 2017












Hannes Wenger (Jan Josef Liefers) träumt vom idealen Familienleben. Um mehr "Quality Time" mit seiner Tochter und seinem Sohn zu verbringen, möchte der Schriftsteller von Zuhause aus arbeiten. Doch die liebe kleine Carla (Harriet Herbig-Matten) hat andere Interessen, als die Zeit mit ihrem Vater zu verbringen. Und die Hormone spielen bei der Teenagerin verrückt.

Der Unterschied zwischen charmantem Witz und billigem Slapstick
Journalist und Schriftsteller Jan Weiler hat das "Pubertier" entdeckt und mit viel Charme und Witz durch gleich mehrere Bücher begleitet. Mit seinen lebensnahen Anekdoten heimste er viel Zuspruch ein, schließlich haben die meisten Menschen schon einmal den Umgang mit einem Pubertier erprobt oder können sich noch darin erinnern, als sie selbst einmal in diesem menschlichen Zwischen-Stadium gesteckt haben.
Von diesem Charme bleibt bei Leander Haußmann nicht mehr viel übrig. Er nimmt die lebensnahe Komödie und überspitzt sie ins Absurde. Waschbärbisse auf dem Hausdach oder Passwortknacken mit einem Kriegsberichterstatter auf dem Schlachtfeld - da sind ein paar der schlimmsten Peinlichkeiten des Kinojahres 2017 auf der Leinwand zu sehen. Das - und sehr, sehr viele weitere Gags in Haußmanns Kino-Groteske - sind einfach nur lächerlich. Glücklicherweise schafft er es wenigstens, den Film nicht ins Pietätlose abdriften zu lassen.

Schwach gespielt und fehlbesetztes Pubertier
Ein paar witzige Momente kriegt aber auch Haußmann hin. Der ach so erwachsene Sohn von Holger (Detlev Buck) will wie ein rebellischer Gangster rüberkommen und spricht dann mit dieser niedlichen Stimmbruch-Frequenz. Oder die dümmlichen Tipps, die die Jungs sich gegenseitig geben, um bei einem Mädchen zu landen, bei denen jeder weiß, dass der Tippgeber keine Ahnung hat. Das ist amüsant und charmant, weil es so echt ist.
Besonders schlimm am "Pubertier" sind aber nicht die überzogenen Momente, sondern die schauspielerischen Tiefst-Leistungen, zu denen Haußmann seine Darsteller treibt. Film-Veteranen Jan Josef Liefers und Heike Makatsch spielen genauso mies wie das vollkommen fehlbesetzte Pubertier Harriet Herbig-Matten.
Haußmann schafft es tatsächlich, dass die Figuren in diesem völlig friedlichen und heiteren Film nicht sympathisch sind. Seine Regie wirkt, als hätte ein Filmhochschul-Frischling die Anweisungen gegeben. Seine Art und Weise zu inszenieren wirkt grob und unerfahren. Er findet keinerlei Zugang zu dem Ausgangsmaterial von Roman-Autor Jan Weiler.
"Das Pubertier" bringt zwar mit seiner Besetzung und dem Bestseller-Roman jede Menge Potenzial mit, scheitert aber aufgrund der lieblosen Inszenierung. Die Grenzen zwischen lustig und albern oder zwischen charmant-frech und dreist sind zugegebener Maßen schmal - aber nahezu durchgehend in die falsche Richtung zu tendieren ist auch eine bemerkenswert konsequente Fehlleistung. Haußmann hat mit dieser schwachen Adaption das Pubertier auf die Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten gesetzt.

Fazit: 35 %

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