1. August 2017

FC Venus

© NFP Distribution

Regie: Ute Wieland
Land / Jahr: Deutschland 2006












Anna (Nora Tschirner) passt es gar nicht, dass ihr Paul (Christian Ulmen) zu seiner Mannschaft, der Eintracht Imma 95 als Spieler zurückkehrt, hält sie doch nicht viel von Fußball. Da fällt ihr ein sportlicher Deal ein: Sie gründet mit den anderen Spielerfrauen den FC Venus und fordert die Männer zu einem Spiel heraus. Sollten die Frauen gewinnen, ist es aus für die Eintracht.

Anpfiff zur Weltmeisterschaft
Da musste sich aber jemand beeilen: Nicht einmal vier Monate, nachdem das Original unter selbem Titel in Finnland in die Kinos kam, lief schon das deutsche Remake in den deutschen Lichtspielhäusern an. Und es musste aus einem guten Grund richtig schnell gehen, denn sechs Wochen nach dem Kinostart der Ulmen-Tschirner-Version wurde die Fußball Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland angepfiffen. Der Hype um das Turnier im eigenen Land musste nämlich noch genutzt werden - hat allerdings nicht so recht funktioniert, denn etwas mehr als 266.000 Kinogänger sind kein toller Erfolg.
Spielerisch haben Christian Ulmen und Nora Tschirner im Vergleich mit anderen Film-Fußballern einen klaren Vorteil: Es ist nicht wirklich schlimm wenn ihre fußballerischen Fähigkeiten dilletantisch auf der Leinwand rüberkommen. Denn die Figuren in "FC Venus" sind lediglich Kreisliga-Kicker, bei denen es ruhig mal etwas holpriger zugehen darf. Passt also.
Und das ist auch ihr Glück, denn Ute Wielands Inszenierung ist teilweise sehr holprig geraten. Alle Filmtricks, die sie in großen Werken von berühmten Leone-Western bis hin "Geschenkt ist noch zu teuer" mit Tom Hanks gesehen hat, werden hier willkürlich reingeworfen, als probiere sich eine Filmstudentin aus. Auch die Szenen auf dem Fußballfeld wirken alles andere als mit Köpfchen inszeniert.

Nach den gängigen Regeln der Erzähl-Kunst
Neben vielen Klischees auf allen Ebenen hat der Frauen-Kick auch seine guten Seiten. Denn immerhin funktionieren die Figuren ganz gut und sind zwar sehr naiv, dafür aber sympathisch. Hier geht Regisseurin Ute Wieland auf Nummer sicher und deckt möglichst viele Archetypen-Klischees ab, vom homosexuellen Fußballer, der natürlich bei der Frauenmannschaft spielt bis hin zum eingebildeten Star-Trainer, aber das sorgt immerhin für schlichte Unterhaltung.
Das Endspiel zwischen dem FC Venus und der Eintracht Imma 95 hält sich an die typische Erzählstruktur für ein filmisches Sport-Finale und ist von der ersten bis zur letzten Sekunde vorhersehbar - neue Ideen haben hier keine Chance. Schließlich scheint es für die Filmemacherin schon eine intellektuelle Höchstleistung zu sein, das handwerkliche Standard-Programm abzuspulen. Zu dem Zeitpunkt hat sich der Zuschauer aber auch schon mit der Naivität von "FC Venus" abgefunden und lässt sich einfach nur von dem Klamauk berieseln.
Nicht nur inhaltlich, sondern auch von der Inszenierung orientiert sich die deutsche Version von "FC Venus" sehr stark am finnischen Original, was die deutsche Fassung ziemlich überflüssig macht. Da aber wenigstens die Figuren und ein paar Lacher funktionieren, schafft es Ute Wieland mit ihrer Version wenigstens etwas Unterhaltung zu bieten - wenn auch auf eher überschaubarem Niveau in jeglicher Hinsicht.

Fazit: 40 %

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