7. September 2017

Queen of Katwe

© Walt Disney

Regie: Mira Nair
Land / Jahr: USA 2016












In den Slums von Katwe, einem Stadtteil in Ugandas Hauptstadt Kampala, wächst Phiona Mutesi (Madina Nalwanga) in ärmlichen Verhältnissen auf. Um es den Jungs mal richtig zu zeigen, versucht sich das junge Mädchen am Schachspiel. Und ihrem Mentor Norbert Katende (David Oyelowo) fällt schnell ihr unglaubliches Talent auf.

Seriöseres Drehbuch
Es nicht das erste Mal, dass sich das Mäusestudio an einem Stück Sportgeschichte jenseits der US-amerikanischen Grenzen ausprobiert: In "Cool Runnings" ging es beispielsweise um die jamaikanische Bobmannschaft, die ihren Traum lebt und bei den Winterspielen in Kanada im Wettkampf um die Medaillen antritt. Zwar macht der Film großen Spaß, aber inhaltlich wurde leider arg an der Wahrheit herumgepfuscht.
Mit "Queen of Katwe" setzt Disney zum Glück auf ein wesentlich seriöseres Drehbuch und bleibt näher an der wirklichen Geschichte rund um das ugandische Wundermädchen als es bei dem eben erwähnten "Cool Runnings" der Fall ist. Und Regisseurin Mira Nair erzählt auch nicht mit dieser typischen Disney-Sportfilm-Struktur, in der es ganz unten anfängt und dann nur noch steil bergauf geht.
Helding Phiona erfährt immer wieder Rückschläge, ist anfangs noch sehr zurückhaltend und äußerst dankbar, lässt sich zwischendurch aufgrund ihres Talentes aber auch zur arroganten Verhaltensmustern hinreißen - sie ist eben ein echter Mensch und erfüllt keine oberflächlich gezeichneten Stereotypen.
Eine weitere hervorragende Entscheidung war es, sowohl vor Ort, also in Ugandas Hauptstadt Kampala zu drehen sowie auch für viele wichtige Rollen ugandische Darsteller auszuwählen. Oftmals setzen US-Produzenten lieber auf bekannte Gesichter, als auf einheimische Talente - Mira Nair macht diesen Fehler nicht.

Debütantin und Oscarpreisträgerin
Gerade Hauptdarstellerin Madina Nalwanga, für die es die allererste Filmrolle ist, zahlt das Vertrauen absolut zurück. Obwohl sie keine Kino-Erfahrung hat, trägt die junge Frau diese immerhin 15-Millionen-Dollar-teure Produktion. An ihrer Seite glänzt eine Schauspielerin, die schon mit allerhöchsten Ehren ausgezeichnet wurde: Oscarpreisträgerin Lupita Lyong'o spielt Nalwangas Filmmutter.
Menschlich ist "Queen of Katwe" wesentlich reifer, als es von einem Sportfilm aus dem Hause Disney zu erwarten gewesen wäre. Natürlich versprüht das Werk noch diese Disney-übliche Leichtigkeit in vielen Momenten, aber Nair schreckt auch nicht davor zurück, Themen wie Armut, Prostitution oder Tod anzusprechen.
Bei den Schachszenen lässt sich Nair aber von der Idee verführen, viele Duelle mit einer gewissen Spannungskurve zu inszenieren, was bei diesem Sport eher schwierig und oftmals auch nicht passend ist. Wenn beispielsweise die Mannschaft aus Uganda bei der Pokalübergabe ganz gespannt da sitzt und überrascht ausrastet, dass sie den ersten Platz belegen - eigentlich müssten sie das wissen, schließlich haben sie alle Spiele gewonnen.
"Queen of Katwe" ist eine sehr schöne und interessante Lebensgeschichte einer jungen Frau, deren Leben doch gerade erst begonnen hat - als der Film gedreht wurde war die echte Phiona Mutesi noch nicht einmal 20 Jahre alt. Zudem liefert das Werk die seltene Möglichkeit, ein paar frische Bilder aus Ugandas Hauptstadt Kampala zu bekommen - viele Filme, die in Ostafrika gedreht wurden, gibt es schließlich nicht.

Fazit: 70 %

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen