8. Oktober 2017

Blade Runner 2049

© Sony


Regie: Denis Villeneuve
Land / Jahr: USA, Kanada, Großbritannien 2017











Blade Runner K (Ryan Gosling) hat eigentlich nur die Aufgabe alte Replikanten-Modelle aufzuspüren, doch bei einem seiner Alltags-Aufträge kommt er einer großen Verschwörung auf die Spur. Der Replikanten-Jäger Rick Deckard (Harrison Ford) könnte Licht ins Dunkel bringen, doch er gilt schon lange als verschollen ...

Vollgepumpt mit fantastischen Ideen
35 Jahre vor Villeneuve kreierte Ridley Scott mit seinem dystopischen Erstling einen echten Science-Fiction-Klassiker. Für die damalige Zeit war "Blade Runner" optisch aller erste Liga, die Geschichte vollgepumpt mit bahnbrechenden Ideen und Theorien. Und das Projekt hat vor allem aufgrund seiner eigenwilligen Bildsprache bis heute ein Alleinstellungsmerkmal - kein anderer Film ist wie der Original "Blade Runner".
Auch nicht sein dreieinhalb Jahrzehnte später erschienenes Sequel. Und das ist auch gut so. Mit dem Kanadier Denis Villeneuve, der von anderen Autoren geschriebene Drehbücher adaptiert, als wären die Ideen aus seinem eigenen Gehirn auf die Seiten geflossen, haben die Produzenten bei Sony dem Richtigen die Kontrolle über das Projekt überlassen. Es gibt nicht viele Regisseure, die Fremdmaterial derart intelligent umsetzen und mit einem eigenen Stil verfeinern können wie Villeneuve.
Und gerade was die Bildsprache anbelangt, ist ihm mit "Blade Runner 2049" ein Werk gelungen, dass von einer unglaublichen Schönheit und Eleganz geprägt ist. Der Kanadier hat sich optisch selbst übertroffen und nicht nur seinen geschmackvollsten Film, sondern auch einen der geschmackvollsten Filme aller Zeiten abgeliefert. Selbst Kamera-Legende Roger Deakins, der schon für fast alle großen Namen der Branche die Bilder filmte, liefert mit "Blade Runner 2049" sein bisheriges Meisterwerk ab.
In technisch Hinsicht - und damit sind durchweg alle Departments von Kamera über Ton bis hin zu Special Effects gemeint - hat Villeneuve einen Film gemacht, der so gut ist, dass er mitunter neue Maßstäbe setzt. Und die Geräuschcollage, die die Grenzen zwischen Musik, Ton und atmosphärischer Untermalung kontinuierlich sprengt, liefert dieselbe Qualität auf auditivem Gebiet ab.

Risse im Gesamtkunstwerk
Doch in einem Film ist die Optik nur Schmuckwerk und nicht Inhalt. Und hier gibt es kleine Risse im Gesamtkunstwerk. Villeneuve hat sich mit Filmen wie "Die Frau, die singt", "Prisoners" oder "Sicario" einen dermaßenen Ruf erarbeitet, dass er sich (fast) alles erlauben kann. Und wie es beispielsweise schon bei Quentin Tarantino, der ebenfalls völlige Narrenfreiheit besitzt, bei "Hateful Eight" der Fall war, so schießt Villeneuve mit "Blade Runner 2049" auch über das Ziel hinaus. Oder um es kurz zu sagen: Der Meister war so in seine hübschen Bilder verliebt, dass er einen viel zu langen Film abgeliefert hat. Eine halbe Stunde Material hätte noch auf dem Boden des Schneideraumes landen müssen. Mindestens.
Dazu kommt, dass die 163 Minuten nicht gerade von einem hohen Tempo bestimmt werden - Die Zukunft ist langsamer geworden. Oftmals werden Dialoge zu endlosen Monologen. Ja, es ist alles extrem hochwertig, aber dennoch ist es auch in diesem Bereich zu viel des Guten. Wenn man soviel hervorragendes Material hat, dann müsste es doch eigentlich ein Leichtes sein, die nur guten oder sehr guten Momente zu opfern. Aber diese äußerst seltene Gelegenheit nutzt der Filmemacher leider nicht.
Zuletzt bleibt da noch der fade Endkampf in Erinnerung, dessen größte Errungenschaft optische Reize sind. Nicht, weil die Prügelei besonders aufwändig inszeniert wurde, darauf legt Villeneuve glücklicherweise keinen Wert, sondern weil die brechenden Wellen in der Finsternis und die magere Neon-Rückleuchten des Gefährtes für die richtige Stimmung sorgen. Das Problem ist einfach, dass von Bösewichtin Luv (Sylvia Hoeks) nahezu keinerlei Gefahr ausgeht.
Denis Villeneuve liefert ein Sequel ab, das sich viele andere Kreative seiner Zunft zum Vorbild nehmen sollten: So macht man einen Nachfolger. Und der Film hat einfach alles, was ein großartiger Film braucht. Aber auch wenn es hier Meckern auf ganz hohem Niveau ist: "Blade Runner 2049" ist einfach zu lang und neigt hin und wieder zum Narzismus, wenn er sich mal wieder in einem seiner Monologe verliert.

Fazit: 80 %

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